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Hinter den Mauern von Kaztul

 

Nachdem die Karawane das Tor passiert hatte, gab der kommandierende Wachhabende den Befehl es zu schließen.

Die Sonne ging langsam unter und zum Schutz der Bewohner, wurde es geschlossen. Viele Räuberbanden zogen zurzeit durch die Wüste und überfielen schutzlose Menschen.

Da die am Mittag angekommene Karawane, den Wunsch geäußert hatte, vor den Mauern zu verbleiben um die Bevölkerung von Kaztul, durch ihre Andersartigkeit nicht zu verunsichern, ließ er trotzdem, zusätzliche Wachen auf den Mauern postieren.

Er ging zu dem Führer der Händler, welcher gerade sein Pferd zur Tränke führte.

„Ich grüße dich Tuareg!“

„Salam, Wachhabender!“, erwiderte Habib.

„Wie lange wart ihr unterwegs?“

Habib wandte sich dem vierschrötigen Mann zu und antwortete,

„Ungefähr zwei Wochen“

„Hattet ihr unterwegs Probleme, mit Räubern?“

„Allah erwies uns die Gunst, keine anzutreffen!“

„Ihr hattet Glück, wir leben zurzeit in schlechten Zeiten. Seit den Bruderkriegen, ist so manches nicht mehr, wie es einmal war.“

„Da gebe ich dir Recht, aber wie ich sehe, seid ihr gut gerüstet und der Stadtobere kann sich glücklich schätzen, einen Mann wie dich als Wachhabenden zu haben!“

Der Wachhabende lachte und sagte, „Die Kriege waren gute Lehrmeister für mich, aber lass uns von angenehmeren Dingen reden.

Du hast ein prachtvolles Pferd, pass gut darauf auf, du hast viele Neider und manche in der Stadt mögen keine Tuareg!“

„Danke für deinen Rat, ich werde ihn beherzigen“, sagte Habib und lächelte.

„Mein Name ist Abdul Hassan ibn Sharif und wenn du Hilfe brauchst, lass es mich wissen.

Ich bin jeder Zeit für dich da“, sagte der Wachhabende und hielt Habib die Hand hin.

Habib ergriff diese und sagte, “ Danke, aber ich kann mir selbst gut helfen!“

„Wie gesagt, pass auf deine Stute auf, so ein Pferd ist manchmal besser als eine Ehefrau, ich spreche da aus Erfahrung, meine hat Haare auf den Zähnen, die müsste man jeden Tag abschneiden, aber Kochen kann sie.“

Dabei schlug er auf seinen Bauch und lachte laut auf.

„Wir sehen uns Tuareg!“, sagte er dann, drehte sich um und rief den Posten auf der Mauer laut einige Befehle zu.

Im selben Moment hörte man, ein lautes Gekreische und eine wütende Stimme ertönte.

Habib ging auf den Lärm zu und sah wie der Händler, der das Äffchen gefangen hatte, laut schimpfend seine rechte Hand hielt.

„Dieses Monster hat mich gebissen, dem werde ich erst einmal Manieren beibringen“

Der Händler, trat vor das Netz mit dem Äffchen, ging zu seinem Kamel und nahm einen am Gepäck hängenden Stock in die Hand.

Er wollte sich gerade umdrehen, als ihn jemand mit eiserner Kraft am Handgelenk festhielt.

„Ich habe dir heute Morgen etwas gesagt Abdul!“, hörte er eine Stimme neben sich.

„Du hast mir, hier in Kaztul, nichts mehr zu sagen, Tuareg!. Deine Zeit als Führer ist vorbei!“

Das Äffchen zappelte in seinem Netz hin und her und kreischte laut.

Im selben Moment rief ein anderer Händler laut, „Ein Teufel ist aus meiner Kiste entsprungen, ein Teufel will mich holen!“

Habib schaute, in die Richtung des rufenden und sah wie ein weiteres Äffchen über den Rücken eines Kamels auf ein Dach sprang.

Die Aufregung war riesengroß und so achtete niemand auf das Äffchen im Netz.

Weil Abdul das Netz gelockert hatte um das Äffchen zu züchtigen, konnte es sich befreien und sprang auf Abdul’s Kamel wo es fauchend sitzen blieb.

„Manche Probleme lösen sich von allein!“, sagte Habib und ließ Abduls Hand los.

„Das ist nur deine Schuld, Tuareg!“, schrie Abdul.

„Jetzt läuft mir ein Batzen Geld davon!“.

Er griff unter seinen Kaftan, zog einen blitzenden Krummdolch hervor und wollte gerade, in Habib’s Richtung ausholen, als ein fürchterlicher Faustschlag ihn von den Füßen holte.

Zwei kräftige Hände packten den am Boden liegenden und drehten ihm die Hände auf den Rücken.

„In meiner Stadt gibt es keine Schlägereien und jetzt kannst du deinen Kopf für einen Tag im Kerker abkühlen!“, grollte die Stimme des Wachhabenden Abdul Hassan ibn Sharif.

Er rief nach zwei Soldaten und ließ den Händler abführen.

Sein Blick wandte sich an Habib, “Du ziehst den Ärger wohl an, wie Kameldung die Fliegen, denk an meine Worte“.

Er lächelte Habib noch mal zu und ging den beiden Soldaten hinterher, die den lamentierenden Händler zwischen sich festhielten.

Mittlerweile war das Äffchen aus dem Netz, von dem Kamelrücken auf ein Dach gesprungen und lief auf dem Dachsims entlang.

Auf einem anderen Dach sah Habib das andere Äffchen, das keckernde Laute von sich gab, fast so als würde es, das andere rufen.

Die Äffchen liefen zueinander und verschwanden gemeinsam über die Dächer von Kaztul.

„Geniest die Freiheit, meine Kleinen, es gibt kein größeres Gut auf Gottes Erden!“, sagte Habib und ging zurück zur seiner Stute um sie weiter zu versorgen.

Kurze Zeit später, kam eine Abordnung der Händler, die er geführt hatte auf ihn zu.

Sie verneigten sich freundlich und bedauerten, was gerade mit Abdul passiert war.

Er wäre schon immer ein Hitzkopf gewesen und Habib möge ihm verzeihen.

Man überreichte ihm dann einen Beutel mit Münzen, sein Lohn für die Führung.

Auf die Frage, wohin Habib nun wolle, antwortete dieser, “Ich bleibe erst noch in Kaztul und dann wird Allah mir meinen Weg weisen!“

„Allah sei mit dir und wenn du mit uns gehen möchtest, wir nehmen dich sofort!“, antwortete einer der Händler.

„Ihr werdet sicher einen anderen guten Führer finden. Hier in Kaztul endet der Weg vieler Karawanen.“.

Die Händler bedankten sich noch einmal und gingen zu ihren Kamelen.

Die Nacht war nun über Kaztul eingebrochen. Fackeln und Öllampen wurden in den Gassen entzündet.

Habib nahm Shirima am Halfter und ging mit ihr, eine Bleibe für die nächsten Tage zu suchen.

Aus dem Weg zum Leihstall, vernahm er die keckernden Laute der Äffchen, die wohl von Dach zu Dach liefen, um sich ein Versteck zu suchen.

 

Auf den Dächern von Kaztul

„Du Idiot, konntest mal wieder nicht hören und musstest  die Früchte dir holen!“, schimpfte Pini und schlug Paro mit der flachen Hand auf den Hinterkopf.

„Jetzt sitzen wir hier, weit von zu Hause und wissen nicht wie wir zurückkommen!

Unsere Eltern machen sich schon bestimmt Sorgen um uns!“, sagte Pini und schaute dabei Paro böse an.

„Du hast ja Recht, aber mein Hunger war zu groß und wie konnte ich ahnen, dass der Zweibeiner mich fängt. Du glaubst gar nicht welche Angst ich hatte als er mich fing!

Aber wie kommst du eigentlich hier hin?“.

„Ich konnte mich verstecken und bin dir gefolgt um dich zu retten!“

„Danke, dass du mir helfen wolltest, ich schäme mich so!“, sagte Paro und schaute betroffen über die Dächer von Kaztul.

Die Nacht war klar und kühl und der Mond warf sein bleiches Licht auf die beiden Äffchen.

Paro blickte traurig seinen Bruder an und fragte, „Und was machen wir jetzt?“

„Gute Frage, ich glaube das Beste ist wenn wir uns erstmal ein Versteck suchen und die ganze Sache überschlafen. Morgen früh sehen wir dann weiter“.

„Du hörst dich an wie unsere Mutter, sie will auch erstmal alles überschlafen“, entgegnete Paro.

„Hast du einen besseren Vorschlag? Wenn ja, dann lass es mich wissen!“, entgegnete Pini leicht zornig.

„Nein, hast ja Recht“, antwortete Paro und so sprangen die beiden weiter über die Dächer, auf der Suche nach einem Versteck.

26.1.10 09:12
 


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