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Kaztul

 

„Ich habe dir schon so oft gesagt, du sollst die Teegläser so polieren, damit sich die Sonne darin spiegelt. Aber wie sehen sie aus? Als ob sie in der Gosse gelegen hätten.

Und der Boden ist auch nicht vernünftig gefegt. Die Teller sind nicht weggeräumt. Die Teppiche noch nicht zurechtgerückt. Was machst du den ganzen Tag?“

Mersam stand mit gesenktem Kopf vor seinem Arbeitgeber und Pflegevater. Ständig hatte er etwas an ihm auszusetzen. Dies ist nicht richtig, das ist falsch und alles ist nie richtig sauber.

Dabei versuchte er doch immer alles richtig zu machen.

Seit ihn Masallah, so hieß der Besitzer, der Spelunke, die er Gasthaus nannte, bei sich aufgenommen hatte.

„Aus Nächstenliebe!“, wie er dem Mullah versicherte, der ihn zu ihm brachte, nachdem ihn eine Karawane in der Wüste, neben einem toten Kamel, in Tücher eingewickelt, vor vier Jahren gefunden hatte.

Fatma, seine Frau, wollte ihn sofort haben, da Allah ihr Kinder bisher nicht geschenkt hatte.

Fatma war immer recht kränklich und ist vor zwei Jahren an einer schweren Krankheit gestorben. Seitdem ist Masallah noch schlimmer geworden.

Er war schon immer ein großes Schlitzohr und betrug die Gäste wo er nur konnte.

Mit seinem dicken Bauch ,seinem ungepflegten schwarzen Bart und seiner großen Statur

schüchterte er gern die Gäste ein und verlangte überhöhte Rechnungen.

„Für gutes Essen und gute Getränke, muss man halt mehr bezahlen!“, pflegte er immer zu sagen, wobei er dabei seine schmutzigen Hände an seinem Kaftan rieb.

Sein gutes Essen, bestand aus alten Lebensmitteln, die er von bestimmten Händlern im Basar kaufte. Seine so genannten Freunde. Der Wein wurde mit Wasser verdünnt, den er aus seinem Brunnen, im Hof holte.

Mersan war sein Laufbursche, Tellerwäscher, Bediensteter, halt für alles zuständig und durfte sich jeden Tag bei Masallah bedanken, bei ihm Unterkunft gefunden zu haben.

Doch gab es, einige Lichtblicke im Leben von Mersan.

Wenn die Spelunke geschlossen wurde und Mersan sich davor auf den Sandboden setzte, kam der alte Mann.

Der alte Mann, kam vor etwa einem Jahr, zu Fuß aus der Wüste nach Kaztul.

Abgerissen und halb verdurstet zogen ihn die Torwächter, hinter die Mauern von Kaztul.

Tagelang sprach er kein Wort. Erst als der Kommandeur der Wachttruppen in rüde nach seiner Herkunft befragte, sagte er einen Namen, „Joshnar“.

Mehr war von ihm nicht zu erfahren.

Nachdem, er sich erholt hatte, ließ man ihn gehen. Die Wächter, hielten ihn für verrückt.

Die Sonne, hätte ihm wohl das Gehirn ausgebrannt.

Seitdem, sah man ihn meistens nur nachts in den Gassen von Kaztul.

Außer in der Moschee, in der er seine Gebete täglich verrichtete.

Nach einem Besuch in der Moschee kam er eines Tages an Masallah’s Spelunke vorbei und sah, wie dieser Mersan aus der Tür stieß, weil er zwei Teegläser hat fallen lassen.

Beim Sturz rutschte Mersan’s Hemd hoch und er ratschte sich an einem am Boden liegenden Stein den Bauch.

Der alte Mann, ging zu Mersan und  ihm wollte ihm hoch helfen, dabei sah er das eigenartig geformte Muttermal an seiner rechten Bauchhälfte.

Seine Augen wurden groß und die Hände zitterten.

In dem Moment sahen beide Masallah, dessen beleibter Körper fast den gesamten Eingang

einnahm.

„Lass, deine Finger von dem Gör, er soll reinkommen und weiterarbeiten!“

Der alte Mann, sah den Wirt aus Augen an, vor denen selbst Scheitan Angst gehabt hätte, nahm seinen Stab, auf den er sich sonst stützte und stand auf.

Er hielt, Mersan seine Hand hin und half ihm hoch.

Masallah konnte dem Blick des alten Mannes nicht standhalten, würde nervös, drehte sich um und verschwand in seiner Spelunke.

Mersan, wunderte sich über das was er gesehen hatte und bedankte sich bei dem Mann.

Als er gerade durch die Tür gehen wollte, sagte der alte Mann zu ihm, “Darf  ich wiederkommen um nach dir zu sehen?“

Verwundert, sah ihn Mersan an und brachte nur ein leichtes Nicken und ein zögerndes, „Ja!“

heraus.

Seitdem kam der alte Mann fast jeden Abend und wurde so etwas wie ein Freund.

Er brachte ihm heimlich Lesen und Schreiben bei.

Sein Wissen um die Welt, war schier grenzenlos.

Mersan glaubte bald, das Joshnar wohl schlauer als der Mullah von Kaztul war.

Masallah durfte von all dem nichts erfahren, er wäre wohl noch wütender auf Mersan geworden, wenn er gewusst hätte, das Mersan alles wusste was sein Pflegevater schrieb und rechnete.

 

Eines Morgens kurz nach dem Ruf des Muezzins, erschallten die Hörner der Torwachen.

Berittene Reiter preschten durch die Gassen von Kaztul dem Nordtor entgegen. Kinder  liefen ihnen hinterher. Aus dem Basar erklangen Rufe, daß Fremde auf Kaztul zukämen.

Mersan befand sich gerade im Basar, um Waren von Masallah’s Freunden zu holen und sein Heimweg führte am Nordtor vorbei.

Neugierig schaute er durch das große Tor in die Wüste und sah die Reiter, wie sie auf eine Art Karawane zuritten.

Doch diese Karawane war anders, nicht wie die, die Mersan kannte.

Vorweg ritten ein Mann und eine Frau, die Kleidung trugen wie sie Mersan zuvor nie gesehen hatte.

Begleitet wurden die Reiter von einem dunkelhäutigen Riesen, der eine große Lanze in der Hand hielt.

Neben ihnen, befanden sich zwei große goldbraune Hunde, die fast wie Löwen aussahen und wie Wächter neben ihnen herliefen.

Aber auch der Rest der Gruppe war genauso ungewöhnlich.

Menschen verschiedener Hautfarben, waren dabei, dunkelhäutige, weiße und sogar einige mit Stirnbändern und Schlitzaugen. Diese ritten auf Kamelen und hatten lange Schwerter auf ihren Rücken.

Die Reiter der Wachtruppe, unterhielten sich mit dem Mann und der Frau, wobei der dunkelhäutige Riese ständig mit den Hunden in nächster Nähe blieb.

Die Hunde lagen zwar im Sand, aber Mersan konnte ihre Wachsamkeit fast spüren.

Der Führer der Wachtruppe verneigte sich vor dem Mann und der Frau, wies mit einer einladenden Geste auf das Tor und ritt mit seinen Leuten durch das Tor.

Der Mann und die Frau folgten der Wachtruppe.

Kurz hinter dem Tor stiegen die beiden von ihren Pferden, wobei der dunkelhäutige Riese

der Frau beim Absteigen half.

Die beiden Hunde hielten sich immer in der Nähe der beiden Fremden auf.

Mersan schaute immer noch fasziniert dem Treiben zu und bemerkte dabei nicht das einer der Hunde nah an ihn herankam.

Ein leichtes Winseln schreckte ihn aus seinen Gedanken.

Mersan erschrak und sah einen der großen Hunde vor sich sitzen.

Der Hund legte den Kopf leicht schief und guckte Mersan aus dunklen Augen an.

Mersan sah, das es eine Hündin war, die wieder ein Winseln von sich gab und auf den Korb mit den Waren schaute, den er immer noch vor sich festhielt.

Mersan griff mit zitternder Hand in den Korb und gab der Hündin ein Fladenbrot.

Diese schnappte sich das Brot und lief mit wedelndem Schwanz zu dem anderen Hund.

Im selben Moment ertönte ein dröhnendes Lachen hinter Mersan, das einem nahenden Gewitter glich.

Hinter ihm stand der Riese mit dem Speer in der Hand.

Er sagte mit tiefer Stimme etwas in einer fremden Sprache und zeigte dabei auf die Hündin.

Mehrmals hörte Mersan das Wort Kisu, wobei der Riese auf die Hündin zeigte.

„ Du brauchst keine Angst zu haben, Kisu ist sehr lieb zu Kindern“, sagte die fremde Frau zu ihm im reinen Arabisch.

„ Der andere Hund, heißt Ambo, sie mögen beide Kinder, haben aber nach der langen Reise gehörigen Hunger. Ich hoffe Kisu hat dich nicht zu sehr erschreckt. Hier hast du was für das Brot!“

Sie drückte Mersan eine Münze in die Hand und strich ihm leicht über die Wange.

„Nein, ich meine Danke, sie hat mich nicht erschreckt, ich habe nur noch nie solche großen Hunde gesehen!“, brachte Mersan verdattert heraus.

In dem Moment, kam Kisu wieder angelaufen, winselte kurz und leckte Mersan mit ihrer Zunge über das Gesicht.

Das donnernde Lachen des Riesen erklang wieder hinter Mersan, der Mann kam auf ihn zu und wuschelte mit seiner Riesenpranke durch Mersan’s Haar.

Die Fremde lächelte dem Jungen zu, drehte sich dann um winkte dabei noch einmal und ging zu ihrem Begleiter, der sich währenddessen um die Pferde sorgsam kümmerte.

Durch das Auftauchen der Karawane hatten sich  viele Schaulustige versammelt.

Unter diesen war auch Masallah, der nun auf Mersan zukam und an der Schulter festhielt.

„Gebe mir sofort das Geld du mieser Bengel, es gehört mir, schließlich war es mein Brot, das du so gönnerhaft abgabst, für diese Viecher!“.

Mersan gab ihm  verschüchtert die Münze.

„Und jetzt an deine Arbeit, du Nichtsnutz!“.

Dabei schob Masallah, Mersan vor sich durch die Menschenmenge.

Der dunkelhäutige Riese, hatte Masallahs Auftritt beobachtet und sagte etwas zu der Fremden.

Kisu und Ambo, die es auch sahen, knurrten böse in Masallahs Richtung, der seinen fetten Leib durch die Menge drückte.

Kisu spannte  alle Muskeln, bereit zum Sprung, erst durch einige leise Worte der Fremden, ließ sie sich beruhigen.   

 

 

Kurz vor Sonnenuntergang

 

„Hört ihr, die Hörner der Torwachen von Kaztul, meine Gefährten?“, rief Habib in Richtung der Karawane.

„Gleich kommen die Reiter der Wachtruppe um uns zu begrüßen. Zeigt keine Angst und verhaltet euch ruhig!“

Habib zügelte seine Stute und zog seinen Mundschutz des Turbans etwas höher, so das man nur seine Augen sehen konnte.

Bei seinem Stamm der Tuaregs, war dies, ein Zeichen für Ehrerbietung gegenüber Fremden.

Die Reiter des Wachtrupps preschten durch das Tor und kamen auf die Karawane zu.

Nicht weit des Tores erkannte Habib, eine kleine Ansammlung von Zelten, die fast wie die Zelte seines eigenen Volkes aussahen.

Die Reiter blieben aus schnellem Galopp, kurz vor Habibs Stute stehen, welche völlig ruhig und ohne mit einem Muskel zu zucken dastand.

Habib saß stolz in seinem Sattel und blickte dem Anführer fest in die Augen..

„Salem Aleikum!“, sagte dieser und neigte leicht den Kopf.

„Aleikum Salam!“, entgegnete Habib, ebenfalls den Kopf leicht geneigt, ohne aber dem Blick abzuwenden.

„Was führt euch nach Kaztul? Wie ich sehe, habt ihr eine Menge Waren auf euren Kamelen geladen!“

„Ich führe diese Karawane, mit Händlern, die ihre Waren gerne in eurer schönen Stadt anbieten möchten. Edle Tücher, Gewürze aus fernen Ländern, Salz und viele andere Dinge sollen euch erfreuen. Auch begleiten uns einige fahrende Musikanten und Gaukler, welche ihre Künste dem Stadtobersten gerne vorführen würden.“ sagte Habib .

„Selten sah ich einen Tuareg, solch eine Karawane anführen, außer sie gehörte zu seinem eigenen Volk. Wie heißt du?“, fragte der Anführer der Reiter aus Kaztul.

„Man nennt mich Habib!“, antwortete der angesprochene.

„Ich hörte vor einiger Zeit, von einem Habib, den man auch den Suchenden nennt! Bist du das?“

„Allah, hat viele Söhne die Habib heißen!“

„Aber wenige, die zum Volk der Tuareg gehören! Und wenige, die so eine wundervolle Stute

reiten.!

Wie dem auch sei, ihr seid willkommen, wenn ihr euch nach unseren Gesetzen richtet und die Bewohner nicht betrügt!

Begleitet uns hinter die Mauern um eure Tiere zu tränken und die Waren abzuladen.

Vor den Mauern, befinden sich Zelte einer weiteren Karawane, die heute Mittag hier ankam.

Haltet euch fern von ihnen, da viele ungläubige sich unter ihnen befinden!“

Der Anführer ließ sein Pferd steigen wendete es und wies mit einer Geste auf Kaztul.

Habib bedankte sich, gab der Karawane ein Zeichen und ritt langsam auf das geöffnete Tor von Kaztul zu. Die Karawane setzte sich in Bewegung und folgte ihm.

Auf dem Weg zum Tor, begutachtete Habib die Zelte der anderen Karawane.

Die Leute verstanden ihr Handwerk. Die Zelte waren perfekt aufgestellt worden.

Selbst bei einem Angriff auf Pferden, würden die Bewohner sich gut wehren können.

Die Pferde und Kamele, waren sicher untergebracht.

Habib sah Menschen verschiedener Rassen, die sich geschäftig zwischen den Zelten bewegten.

Dies war für Habib nicht ungewöhnlich, auf seinen Reisen hatte er schon vieles gesehen.

Nur der dunkelhäutige Riese, mit einer großen Lanze in seiner Rechten, zog Habib’s Aufmerksamkeit auf sich.

Dieser Koloss stand vor der Zeltstadt, flankiert von zwei großen goldbraunen Hunden, welche die ankommende Karawane, nicht aus den Augen ließen.

Habib senkte seinen Kopf in Richtung des Riesen, zum Gruß, welcher dieses ebenfalls mit einem Kopfnicken erwiderte.

Im selben Moment, hörte Habib, ein lautes Wiehern aus dem Zeltlager und sah einen wunderschönen Hengst aufsteigen, welcher in seine Richtung blickte und sich nicht beruhigen konnte.

Habib’s Stute wurde gleichzeitig ebenfalls nervös und tänzelte ein wenig..

„Shirima meine Gute, ich glaube du hast einen Verehrer und dazu noch einen gut aussehenden!“

Der Koloss, neben den Hunden, erkannte ebenfalls die Situation und gab ein donnerndes Lachen von sich.

Er stampfte mit der Lanze auf den Boden und rief laut dem Hengst etwas zu, wodurch dieser sich beruhigte.

Mit einem Grinsen im Gesicht wandte er sich zu Habib, winkte ihm zu und ging in Richtung der Tiere.

Habib streichelte seine Stute über den Hals, schaute noch mal in Richtung der Zeltstadt und ritt weiter der Karawane voran durch das Tor.

Was Habib aber nicht sah, waren ein Mann und eine Frau, die der Karawane nachblickten, die langsam hinter den Mauern von Kaztul verschwand.

Der Mann, rief den Riesen zu sich und sagte zu ihm und der Frau einige Worte, wobei beide nickten und der, langsam hinter den Mauern, verschwindenden Karawane nachsahen.

Dabei hörten sie noch lautes Gekreische aus Richtung der Karawane das zu einem Affen gehören könnte, gefolgt von wütenden Worten des Kamelführers.

26.1.10 09:11
 


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